Cerenzia (KR)

Der mysteriöse Charme des alten Akerentia

Einige italienische Dörfer bergen Geheimnisse, die manchmal selbst die Bewohner nicht erklären und die Neugier von Touristen, Liebhabern des Unbekannten und Legenden wecken können. Zu diesen „mysteriösen“ Dörfern zählt sicherlich Cerenzia, ein altes Dorf in Kalabrien in der Provinz Crotone, das von vorrömischen Bevölkerungsgruppen gegründet wurde.
 
Cerenzia steht für Geschichte und Legende, die ihm einen besonderen geheimnisvollen Charme verleihen.
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Auch wenn der antike Standort aufgegeben wurde, so pflegen die Einwohner auch heute noch eine Beziehung zu dieser Stadt.
 

Laut der Meinung einiger wurde die Siedlung von Oinotria gegründet. Andere hingegen sind der Auffassung, dass es der sagenhafte Philoktetes war. Die Stadt war von sehr hohen natürlichen Mauern umgeben und beherrschte, wie auch heute noch, das Tal des Flusses Lese, der möglicherweise einst Acheronte genannt wurde, von dem die Etymologie abgeleitet sein sollte. Cerenzia, Sitz eines interessanten archäologischen Parks von beachtlichem landschaftlichem Wert, der von der Stadtverwaltung mit Unterstützung der Landesdenkmalbehörde für archäologische Güter in Kalabrien eingerichtet wurde, war Gegenstand mehrjähriger Ausgrabungs- und Forschungsarbeiten, die von eben dieser Behörde durchgeführt wurden.
Als viele Siedlungen in der Umgebung noch einfache Dörfer waren, war Cerenzia bereits eine wichtige und herrliche byzantinische Stadt. Auf dem Plateau, auf dem sich das antike Zentrum befand, sind noch immer die Spuren eines bedeutenden Stadtgebiets zu sehen, darunter ein weitgehend erhaltenes Sakralgebäude und die markanten Überreste einer aufwändigeren Struktur, die als Bischofssitz eingestuft wird.
Kontinuierliches Absinken der Mauerstrukturen, Schwierigkeiten bei der Trinkwasserversorgung, Malaria und Erdbeben zwangen die Bewohner zu einer fortschreitenden Abwanderung, die Mitte des 19. Jahrhunderts mit der endgültigen Aufgabe und Verlegung an den heutigen Standort ihren Höhepunkt fand. Auch wenn der antike Standort aufgegeben wurde, so pflegen die Einwohner auch heute noch eine Beziehung zu dieser Stadt. Die Überreste der toten Stadt sind das Ziel vieler Pilgerreisen, die im Zuge des Festes des Ecce-Homo zu einer wahrhaftigen Prozession ausarten, an der das gesamte Dorf teilnimmt.

 
Cerenzia
 
Der archäologische Park von Akerentia

Der Archäologische Park von Akerentia ist aufgrund der hervorragenden Erhaltungsbedingungen und der völligen Abwesenheit invasiver Elemente einer der bedeutendsten Landschaftsausprägungen der Presila von Crotone. Die aus kalkhaltigen und schwefelhaltigen Steinen bestehende Klippe weist Erdrutsche auf, die derzeit verschiedenen Schutzvorschlägen sowie Einschränkungen unterliegen. Fast der gesamte Fels wurde dem Gemeindegebiet von Cerenzia zugeschrieben, um in den „Archäologischen Park“ eingegliedert zu werden.

 
Cerenzia
 
Die Legende vom siebenköpfigen Drachen

Der Ruhm von Cerenzia wird mit einer Legende aus dem 16. Jahrhundert in Verbindung gebracht, die noch heute von den Einheimischen überliefert wird. Man schrieb das Jahr 1528 und die Einwohner von Cerenzia stellten sich gerade am Dorfbrunnen in einer Reihe an, um ihre tägliche Wasserration zu beziehen. Plötzlich standen sie einem feuerspuckenden, siebenköpfigen Drachen gegenüber. Die flüchtenden Einwohner von Cerenzia wandten sich an den Bischof, der ihnen riet, sich an San Teodoro d'Amasea (Hl. Theodor Tiro) zu wenden, den einzigen, der das größte und wildeste Tier dieser Welt mit einem einzigen Schwerthieb töten könnte.
Am 9. November 1528 weckten die Bewohner unter der Leitung des heiligen Heerführers den Drachen in der Höhle auf und lockten ihn nach draußen, wo ihn San Teodoro bereits erwartete, und an einem Augen aufspießte und so tötete. Aus Dankbarkeit wählten die Einwohner von Cerenzia Theodor Tiro zum Schutzpatron des Dorfes und seitdem wird jedes Jahr am 9. November der Jahrestag seines Unterfangens gefeiert. In der Kirche, die zuerst San Leone und dann Theodor Tiro gewidmet wurde, befindet sich ein Gemälde, auf dem der Märtyrersoldat mit den sieben Zungen des Drachen auf dem Kopf dargestellt ist.

 
Kirche des Theodor Tiro

Diese Struktur, die vielleicht eine Einsiedelei war, scheint tiefgreifende Veränderungen erfahren zu haben. Möglicherweise wurde sogar die ursprüngliche Ausrichtung des Hauptschiffes der Kirche verändert. In der Tat gibt es Spuren von Terrakottabögen, die an der rechten Außenseite angebracht sind. Bei diesen sehr alten Bauteilen handelte es sich wahrscheinlich um Abflussbögen. Das Äußere ist aus Naturstein mit einem Satteldach und einer kleineren Apsis auf der rechten Seite. Die Glocken sind auf das Kirchenschiff aufgesetzt und werden von Mauerwerkselementen getragen.
Der Kirche ist ein Kloster angeschlossen, das über eine Tür links vom Hauptaltar mit der Kirche verbunden ist. Die erst kürzlich durchgeführten Restaurierungsarbeiten haben dem Äußeren ein angenehmes Erscheinungsbild verliehen, während das Innere stilistisch nicht besonders interessant ist und Fragmente eines wunderschönen Barockaltars aus weißem und polychromem Marmor bewahrt. Im Inneren ist auf dem ersten linken Bogen ein hölzernes Kruzifix aus dem 18. Jahrhundert angebracht.

 
Cerenzia
 
Gastronomie

Die lokalen Essensgebräuche haben alte und einfache Ursprünge. Die Grundlage aller Gerichte sind Schweinefleisch, Eier, Käse, Oliven, Feldgemüse und Hülsenfrüchte. Auf keinen Fall darf man sich die Tiella ‘e Cucuzzialli und Kartoffeln (Zucchini- und Kartoffelauflauf) entgehen lassen, ein in der Vergangenheit weit verbreitetes Rezept, das sich auch heute noch, aufgrund der typischen Zutaten dieser Region, großer Beliebtheit erfreut. In einer Backform werden in Scheiben geschnittene Kartoffeln und Zucchini in verschiedenen Schichten gelegt, die mit geriebenem Käse, Brotkrumen, Basilikum, einigen Stücken reifer Tomate, schwarzem Pfeffer, Salz, Knoblauch und einem Lorbeerblatt belegt werden.
‘A sauza hat sich dank des Dorffestes, das seinen Geschmack zelebriert, mittlerweile zu einem typischen Gericht aus Cerenzia herauskristallisiert. Die noch zarten Puffbohnen werden nicht geschält und in kochendem Wasser gekocht. Danach werden sie abgeseiht, mit Öl, Minze, Knoblauch, Essig und Brotkrumen angebraten bis eine „Pappardella“ (Auflauf) entsteht. Sie wird kalt serviert und kann eventuell von geräuchertem Schweinebauch und Weißwein begleitet werden.

 


 


Adresse Piazza Cavour
  88833 Cerenzia (KR)
Telefonnummer 0984 995489
Webseite www.comune.cerenzia.kr.it
 

 

In der Kirche, die dem Schutzpatron S. Teodoro gewidmet ist, kann man ein hölzernes Kruzifix aus dem 1700, ein silbernes Prozessionskreuz aus der Kathedrale von Cerenzia Vecchia und zwei Glocken mit griechischem Kreuz, eine 1545, die andere 1780 datiert, bewundern. Auf dem Hauptplatz des Dorfes befindet sich ein Basrelief aus Bronze des Treccani, das den Olivenpflückerinnen von Cerenzia gewidmet war, die sich seit Jahrhunderten dieser harten Arbeit widmen.

Die antike Ortschaft von Acerenthia, die sich auf dem Hügel, der das Tal des Lese beherrscht, befindet, kann man über einen Pfad erreichen. Von der antiken, verlassenen Stätte kann man heute noch die Überreste der wichtigsten Bauten bewundern: der mittelalterliche Turm des Vescovado, die byzantinische Anlage der Kirche von S. Teodoro, die gefestigte Struktur des Hauses des Prinzen und das Gebäude Benincasa aus dem 17. Jahrhundert. Nach und nach wurde Acerenthia verlassen, was auf zahlreiche Ereignisse zurückzuführen ist: die Belagerung der Truppen des Grafs Ruggiero im 1090, die Pest im Jahre 1528 und das Erdbeben im 1783. Die Ortschaft wurde schließlich im 1844 definitiv verlassen.



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